Maßgeschneidertes für Instrumenten-Königinnen

Matthias Grünert, seit 2005 Kantor der Dresdner Frauenkirche, besuchte am Wochenende auf der diesjährigen „Heimspiel-Tour“ seine fränkische Heimat. Drei Tage, fünf Orgel-Konzerte: ein eher entspanntes Programm, wenn man seine sonstigen Konzertfahrten kennt. Der Kirchenmusiker ist ein leidenschaftlicher Orgel-Freak, der am liebsten an möglichst vielen verschiedenen Instrumenten nacheinander spielt. Am Sonntag endete die Konzertrunde in seiner Heimatstadt in der St.-Nikolai-Kirche.

An der Königin der Instrumente sitzen und die Zuhörer mit Orgelmusik verwöhnen, das macht Grünert mit großer Begeisterung. Dabei wiederholt sich bei einer Tour kein Stück. „In meiner fränkischen Heimat  gibt es sehr viele schöne Instrumente“, betont der Organist. Einige kennt er bereits, andere werden neu erkundet. Die Orgelfahrt, die von der Kirchgemeinde Hoheneiche (Thüringen) organisiert wird, führte den Dresdner Kantor dieses Mal von Fürth über Ipsheim und Dietenhofen bis nach Nürnberg und Neuendettelsau.

Die bespielten Orgeln – Musiker sowie zahlreiche Zuhörer reisen von Kirche zu Kirche mit – stammen aus unterschiedlichen Epochen. Das älteste Instrument, ein historisches Orgelpositiv aus Italien, 1775 von Januarius Severino erbaut, steht im Altarraum der Fürther Michael-Kirche. Die Hauptorgel von Ekkehard Simon aus dem Jahr 1979 befindet sich auf der Empore. Etwa zweihundert Jahre liegen zwischen beiden Königinnen.

Grünert wählte zu den sehr unterschiedlichen Orgeln, allein schon was die Art und die Anzahl der Register betraf, charakteristische Werke aus. Überhaupt ist er ein erfahrener Orgelspezialist, der jedem Instrument das passende Programm-Gewand auf den Orgel-Leib schneidert. Sicherlich gibt die Disposition bereits auf dem Papier Auskunft über die vorhandenen Orgelregister, der Musiker muss deren Tonfärbung in der Praxis zuvor aber erspüren. Nach und nach fügt er dann vor dem Konzert die einzelnen Register, wie die Instrumente in einem Orchester, zusammen, um einen zur Vorlage passenden Gesamtklang zu finden.

Erst 2015 hat die Ipsheimer St. Johannis-Kirche eine neue Orgel erhalten. Die Nürnberger Orgelbau-Werkstatt Maderer hat sie mit handwerklichem Geschick und Feingefühl eingebaut. „Die vorhandenen Register“, betonte Grünert erfreut, „sind so vielseitig und reich an Klangfarben, dass sowohl barocke Werke als auch Stücke der Romantik gleichermaßen gut klingen.“ Dieses noch junge „Orgel-Orchester“ verbirgt sich hinter einem historischen Prospekt, der von Johann Christoph Wiegleb, als er 1729 dort die erste Orgel gebaut hatte, erhalten blieb. Auch die Wiegleb-Orgel in der Ansbacher St.-Gumbertus-Kirche geht auf ihn zurück.

Das nächste Konzert gab der Frauenkirchenkantor in der St.-Andreas-Kirche von Dietenhofen. Deren Instrument kannte er bereits. Er hatte es auf seiner Orgelfahrt 2016 gespielt. Am letzten Tag begann der Konzertreigen in der Nürnberger Christuskirche. Das Instrument aus dem Jahr 2010 stammt von der Oberasbacher Firma Friedrich. Wie die Orgel in der Neuendettelsauer St.-Nikolai-Kirche hat auch sie für den Musiker eine besondere Bedeutung. Einerseits ist sie Grünerts Taufkirche, andererseits Ort der ehemaligen Kantorenstelle seines Vaters, bevor dieser 1975 nach Neuendettelsau wechselte. Grünert bespielte diese moderne Orgel überwiegend mit Werken der Romantik, was den facettenreichen Klang des Instrumentes wunderbar erstrahlen ließ.

Wie bei allen Konzerten dieser musikalischen Reise empfahl sich Matthias Grünert auch beim Finale an der Orgel des Göttinger Orgelbauers Paul Ott (1969) als profunder Orgel-Maestro, mit Gespür auch für die ganz leisen Zwischentöne. Orgel- Königinnen sind Individualistinnen. Grünert verstand es hervorragend, die passende Orgelliteratur aus den unterschiedlichen Epochen auszuwählen und diese der jeweiligen Klang-Charakteristik bestmöglich anzunähern.

Quelle: Fränkische Landeszeitung, Elke Walter
Foto: Elke Walter

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